Schicksal, allgemeines Lebensrisiko ??

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Lehren aus Kaprun

Zunächst wird man denken, was geht mich in Stuttgart die Alpenmetro Kaprun an; wir haben zwar eine Seilbahn, aber die ist nicht im Tunnel. Dann die Detailschilderungen im Fernsehen: ein Seilbahnzug bleibt im steil ansteigenden Tunnel liegen, ein Brand ist ausgebrochen, der schnell hinreichend Nahrung fand und durch die kaminartige Situation noch zusätzlich blitzschnell angefacht wurde, so daß die eingesperrten Menschen elendiglich im Inferno verbrannten. Das in einer Bahn, die von einem Seil gezogen wird und deswegen verhältnismäßig wenig elektrische Ausrüstungen an Bord hat, und damit auch weniger Brennbares. In Stuttgart haben wir bei der mit 7% wohl weltsteilsten U-Bahn-Strecke im Verlauf der U7 (zwischen Bopser und Waldau) zwei ca. 1 km lange eingleisige Tunnelstücke, in der eine ähnliche Kaminsituation entstehen könnte, wenn im Zug ein Brand ausbricht. Sowohl bei Stuttgarter Stadtbahnwagen wie auch beim ICE liegen mir mehrere Meldungen vor, wonach Züge völlig ungeplant an beliebigen Stellen zwangsgebremst wurden, weil die sensible Elektronik es so wollte. Bei Kaprun ist u.a. auch die Rede davon, ein Schwelbrand könnte die Katastrophe ausgelöst haben. Für mich ergibt sich dadurch perspektivisch das folgende (bei Rettungskonzepten zugrunde zu legende) Szenario: ein Schwelbrand frißt sich im Wagen irgendwohin durch, bringt dadurch die Elektronik durcheinander und diese löst eine Zwangsbremsung aus, die den Halt in einem eingleisigen Tunnelstück bewirkt. Die Fahrgäste kommen nicht schnell raus, Rettungskräfte nicht schnell genug heran. Die Fahrgäste haben Brennbares bei sich: keine Bomben oder Benzinkanister, kein Holz oder leichtbrennbaren Kunststoff, sondern einfach nur Kleidung (z.B. Anoraks), Aktentaschen, Schulranzen, und liefern dem Feuer Zusatznahrung, das durch die Thermik im schräg ansteigenden Kamin noch weiter angefacht wird. Eingleisige U-Bahn-Streckenteile gibt es viele auf der Welt, nicht nur auf der U7 in Stuttgart. So erinnere ich mich an London oder Paris, wie sehr es da gezogen hat: die Züge haben in eingleisigen Tunnels ein Luftbündel in die Bahnsteige hineingedrückt, das manche Menschen schier umgehauen hat. Schaut auf diese Stadt, hat Berlin's Bürgermeister ausgerufen, als Berlin 1948 von den Russen bedroht war. Schaut nach dem Inferno von Kaprun auf die Tunnelbahnen in Eurer Stadt, wo da die Risiken sind, sage ich als Stuttgarter. Das sind wir alle den Umgekommenen schuldig: mit dazu beizutragen, dass weltweit das Menschenmögliche unternommen wird, andere Menschen vor einem solchen Inferno zu verschonen. Viel zu schnell kommen die Statements von Sachverständigen aus immer mehr Städten: so etwas kann bei uns nicht passieren, weil ... ... wir ja keine Seilbahn haben, ... weil wir die Rettung geübt haben, ... weil unsere Wagen nach allen Regeln der Brandschutztechnik konstruiert sind, ... wir ja an die Fahrer die Anweisung gegeben haben, in jedem Fall noch die nächste Station anzufahren (Stuttgarter Aussage nach Kaprun), ... weil, ... weil ..." Völlig übersehen wird dabei die Tatsache, dass im Grunde fast jedes Material brennbar ist; die Materialien haben aber völlig unterschiedliche Beschaffenheiten, bei welcher Temperatur es zu brennen anfängt. Feuersicherer Kunststoff wird vermutlich mit einem Feuerzeug nicht in Brand gesetzt werden können, kann aber bei höheren Temperaturen schnell zum Zunder werden. Ob diese Problematik bei Brandschutzübingen wie zum Beispiel im Ruiter Metrotunnel (EZ-Bericht BrandschutzübungAnfang September 2000) vor fahrplanmäßiger U7-Betriebsaufnahme auch damit befaßt wurde, das wage ich (bis zum Nachweis des Gegenteils) zu bezweifeln. Wir alle haben keinen Einfluß auf die Verantwortlichen. Aber wir können diese Überlegungen über das Internet verbreiten, z.B. indem dieser Text weitergemailt wird an Bekannte, Politiker, Verkehrsunternehmen, Presse. Diese vorläufige Lehre aus Kaprun ist auf jeden Fall zu ziehen: im ungünstigsten Fall kann es zu einem Fahrzeugbrand im Tunnel an ungünstigster Stelle kommen; die Ursache ist dabei egal. Natürlich muss alles getan werden, mögliche Brandursachen zu beseitigen, Rettungskonzepte unter realistischen Bedingungen zu checken und daraus Konsequenzen zu ziehen. Der Hinweis auf erfüllte gesetzliche Vorschriften genügt allerdings nicht, weil gesetzliche Vorschriften bekanntlich erst dann erlassen werden, wenn hinreichend Referenzfälle (sprich: Unglücke) vorliegen. In Österreich hatte man nach dem Montblanc-Unglück auch gesagt, das kann bei uns nicht passieren, das war ja im fernen Ausland. Erst nach dem Unglück Tauerntunnel hat man dann gehandelt. Warten wir nach Kaprun nicht ab, bis sich Kaprun vor Ort in anderer Art wiederholt. Versuchen wir, alle Lehren aus Kaprun zu ziehen, die sich ohne große Kosten ziemlich kurzfristig realisieren lassen. Für den beschriebenen kritischen U7-Fall in Stuttgart könnte ich mir vorstellen, einfach bei Langzügen einen Feuerwehrmann im kritischen Abschnitt Bopser-Waldau pendeln zu lassen. Schließlich schickt die Feuerwehr auch zu jeder Theatervorstellung eine Brandwache, obwohl Theaterbrände kaum mehr vorkommen und in jedem Theater zumindest im Bühnenbereich Sprinkleranlagen vorhanden sein müssen. Dietrich Hiller Florentiner Str.3 70619 Stuttgart Fax 0711-475270 eMail siehe Button oben 15. November 2000 Diese Website wurde erstellt am 15. November 2000. ++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++

Unglaublich, aber wahr: Eine vollbesetzte S-Bahn bleibt im Tunnel stehen, brennt ... nicht, hält Fahrgäste über 2 Stunden gefangen (Stuttgart 29.11.2000) und DB-Aktivitäten.

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